Geschichte

Seit langen Jahren bestunden, hauptsächlich in den grösseren Städten, Vereine christlicher Mütter. Der erste erwähnte Mütterverein wurde 1850 in Lille in Frankreich gegründet. Alsbald erfolgten Gründungen in Deutschland, Oesterreich und in der Schweiz. 1883 äusserte Papst Leo XIII. den Wunsch, dass der Verein Christlicher Mütter sich überall ausbreiten möge. Am 9. Januar 1912 empfahl der damalige Bischof J. Stammler von Basel den Pfarrherren dingend die Gründung und Förderung solcher Müttervereine. Die geistlichen Leiter eines solchen Vereins mussten dem Bischof gemeldet und von ihm bestätigt werden.

1919 ergriff Pfarrer Lorenz Winiger in Escholzmatt die Initiative und schritt zur Gründung des „Vereins christlicher Mütter“. Zur Vorbereitung wurden 6 Tage Frauenexerzitien abgehalten. In 12 Vorträgen führte der Prediger die Frauen in ihre Pflichten als Mütter und Erzieherinnen ein. Am 30. März 1919, nachmittags um 2 Uhr, liessen sich sodann 305 Frauen in den Verein einschreiben. Am Sonntag, 25. Mai 1919 fand die erste Generalversammlung statt mit den Wahlen des Vorstandes. Präses war von Amtes wegen Pfarrer Winiger, als Präsidentin oder Vorsteherin wählte man Rosina Studer-Koch (Mutter von Otto Studer, Nationalrat), als Aktuarin Agatha Schöpfer-Duss, Riedli und als Kassierin Katharina Bucher-Stadelmann, Eintracht. Zusätzlich wurden 17 sogenannte Rätinnen gewählt.

In der Folge entwickelte dieser neu gegründete Verein rasch eine rege Tätigkeit. Im Vordergrund standen natürlich religiöse Veranstaltungen, bildende Vorträge auswärtiger Referenten, die Feier des Titularfestes Sieben Schmerzen Maria, Gedächtnisse für die verstorbenen Mitglieder und Versammlungen.

1921 – 1930
1921 wurde ein sogenannter Missions-Sonntag veranstaltet, wobei ein Missionar aus Togo sprach und Lichtbilder zeigte. Es wurde immer viel erzählt über die Erziehung der Kinder, so ein Auszug aus dem Protokoll der Versammlung vom 10. September 1922: Die gute Mutter soll auf den Frieden ihrer Kinder recht wachsam sein, denn die Kleinen sollen von frühester Jugend schon zum Frieden erzogen werden. Sind Streitigkeiten unter den Kindern, soll die Mutter nicht sogleich aufbrausen und dreinschlagen, sondern die Kinder zum Friedenmachen anhalten. Oft vielleicht auch mit einer kleinen Verdemütigung. Und erst wenn die Mahnungen der Mutter nichts nützen, soll die altehrwürdige Rute angewendet werden. Die Mutter soll auch über den Frieden ihrer Kinder und Nachbarskinder recht wachsam sein, da leider dadurch schon oft grosse Familienzwistigkeiten entstanden sind. Eine gute Mutter weiss, dass alle Kinder fehlen können und nicht nur die ihrigen fehlerlos sind.
1923 stirbt die erste Präsidentin des Vereins, Rosina Studer-Koch. Das Protokoll widmet ihr einen Nekrolog und betont ihre mildtätige Art und ihre Seelengrösse. Der Vorstand wurde nun auf 5 Mitglieder erhöht. Schon bald vernahm man von einer hauswirtschaftlichen Kommission. Es fiel auf, wie weitsichtige Frauen sich um die Weiterbildung ihrer Töchter und jungen Frauen kümmerten. 1925/26 wurde der erste Näh- und Handarbeitskurs erwähnt. Später liest man auch von Koch- und Flickkursen. Eine Delegation des Müttervereins besuchte 1926 in Begleitung der neuen Präsidentin, Hedwig Bieri-Koch (Frau des Tierarztes Dr. Bieri), die Versammlung des Kant. Frauenbundes. Es wurde beschlossen, dass pro Verein und pro Mitglied jährlich 50 Rappen an die Kantonalkasse abgeliefert werden soll. Verschiedene Vorträge und Referate prägten die Vereinstätigkeit. Es fällt auf, wie oft über das Alkoholproblem der Männer aufmerksam gemacht wurde. Die Frauen wurden aufgerufen mit Güte und Geduld ihre Männer auf die Schädlichkeit übermässigen Alkohol- und Schnapskonsums hinzuweisen. Im Schweigen und in der Geduld liegen die Stärken der Frau, sie soll sich bewusst sein, dass ihr Lebensweg oft auch ein Leidensweg sei. In einem späteren Vortrag ermahnte der Präses die Frauen, ihre besonderen Pflichten als Hüterinnen christlichen Gedankengutes wahrzunehmen. Die Frau habe im öffentlichen Leben nichts zu suchen, sie gehöre an den häuslichen Herd und soll dem Manne untertan sein. Demzufolge soll sie auch ihre Töchter zu absolutem Gehorsam erziehen, damit diese später als Ehefrauen und Mütter ihren Männern den schuldigen Gehorsam erweisen.

1935 – 1945
Pfarrer Lorenz Winiger verliess die Pfarrei im Jahre 1935. Zum neuen Pfarrer von Escholzmatt wurde Nikodemus Petermann gewählt. 1939 brach der zweite Weltkrieg aus. Die Männer waren an der Grenze, die Frauen und Mütter hüteten Haus, Hof und Kinder. Die Veranstaltungen des Müttervereins wurden in dieser Zeit auf ein Minimum reduziert. 1942 hielt Pfarrer J.K. Scheuber eine religiöse Frauenwoche. Der Referent sprach in aufgeschlossener Weise über die Stellung der Frau in der Familie. Da war nichts mehr zu hören von der Unterwürfigkeit der Frau. In den Augen des Referenten sind die Frauen ebenbürtige Partnerinnen ihrer Männer. Wie haben sich doch die Ansichten in den vergangenen 20 Jahren geändert.
1943 fand eine Neueinteilung der Rätinnen statt, weil nun Wiggen von unserer Pfarrei gelöst wurde und eine eigene Seelsorge hat.
Am 12. Oktober 1944 brach ein grosses Unglück über unsere Gemeinde und Pfarrei herein. Das grosse Schiffsunglück der Hochzeitsgesellschaft Studer-Portmann beim Haslihorn forderte 20 Todesopfer, darunter die Präsidentin des Müttervereins, Nina Studer-Muther (Frau von Nationalrat Otto Studer). Ausserdem waren 4 Mitglieder unseres Vereins zu beklagen, Frauen und Mütter, die ihren Familien mit teilweise kleinen Kindern entrissen wurden. Im Protokoll lesen wir ausführliche Nachrufe und es folgte eine Zeit der Trauer und der Stille.
An der GV 1945 wurde Rosa Stadelmann-Jenny, Frau Oberrichter, zur Präsidentin gewählt.

1945 – 1973
An der Versammlung von 1946 wurde ein Jahresbeitrag von 2 Franken pro Frau eingezogen. In den folgenden Jahren stand ein Säuglingspflegekurs, ein Aufklärungsvortrag und ein Gespräch über die Erziehung der Kinder zur Ehrfurcht statt. Der Vorstand war bestrebt, kinderreiche Familien auf Weihnachten zu beschenken. Es bildete sich eine Caritas-Sektion. Die Schaffung eines Kindergartens bildete Gesprächsstoff.
Pfarrer Nikodemus Petermann verliess die Pfarrei im Jahre 1964, als sein Nachfolger wurde Pfarrer Hermann Hurni gewählt. 1965 wurde Frieda Schnyder-Studer, Dorfmattenstr. 10, zur neuen Präsidentin gewählt, das Aktuariat übernahm Hildegard Portmann-Duss, Schmittengarten. Die Anstellung einer Familienhelferin war für die neue Präsidentin ein grosses Anliegen, das sie konsequent zum Erfolg führte. Neu ins Tätigkeitsprogramm kamen nun Jass- und Lottoabende, Ausflüge, Aussprache-Nachmittage, aktuell wurden auch Vorträge über die Massenmedien. Die Generalversammlungen wurden bis 1965 jeweils am Samstagnachmittag abgehalten. Ab 1966 wurden sie dann auf einen Abend verlegt. Der Jahresbeitrag betrug nach wie vor 2 Franken. Elsbeth Muff ergriff im Jahre 1971 die Initiative zur Gründung eines Kinderhütedienstes.

1973-1994
Ein wichtiger Markstein war im Jahre 1973 die Namensänderung von Mütterverein zu Frauengemeinschaft der Pfarrei. Den Satzungen von 1919 gemäss durften nur verheiratete Frauen in den Verein aufgenommen werden. Mit der neuen Bezeichnung waren nun alle Frauen und Töchter aller politischen Richtungen eingeladen am Vereinsleben teilzunehmen.
An der GV 1973 verabschiedete sich Frieda Schnyder-Studer als Präsidentin, ihre Nachfolgerin wurde Hildegard Portmann-Duss. Erstmals in der Geschichte des Vereins wurde ein Jahresprogramm herausgegeben. Ein jahrelanger Wunsch von Pfarrer Hurni und vieler Mütter wurde im Jahre 1975 in die Tat umgesetzt. Am weissen Sonntag durften 55 Erstkommunikaten mit einem Einheitskleid erscheinen. Diese Kleider wurden in aufwendiger Fronarbeit von Frauen unserer Gemeinschaft unter der Leitung von Agi Duss-Kaufmann, Althus und Rosa Stadelmann-Studer, Schreinerei, angefertigt. Dieses grosse Geschenk wertete die Freude am Weissen Sonntag noch zusätzlich auf.
Im GV-Protokoll von 1976 steht folgendes interessantes: … Wohl keine Frau geht heute Abend hungrig oder durstig von dannen! Die grosszügige Bewirtung gelingt dem Vorstand und den vielen Helferinnen. Möchten Sie einmal wissen, wie viele Kilos für die Sättigung in den Pfarrsaal geschleppt worden sind? 25 kg gekochte Kartoffeln, 5 kg Brot, 5 kg Lyonerwurst, 3 kg Zungenwurst, 4,5 kg Schinken, für die Apfelcreme: 23 kg Aepfel, 3 kg Zucker, 1,5 kg Citronen, 9 lt Yoghurt, 2 lt Rahm. Also rund 75 kg werden heute Abend vertilgt! Hat der Verein den Kern echter Gemeinschaft gefunden? Jedenfalls ist es nicht übertrieben zu sagen, dass das Herz der Gemeinschaft an diesem Abend zu spüren ist. Die Möglichkeit, sich in einer Gemeinschaft wohl zu fühlen, echte Lebenshilfe und herzlichen Kontakt unter Gleichgesinnten zu finden, scheint mehr denn je gewiss. – Leider steht im Protokoll keine Anzahl Anwesende.
Im Jahre 1978 nahm Pfarrer Hermann Hurni Abschied von der Pfarrei Escholzmatt. Im Herbst 1978 durfte man mit Freude den Einzug von Pfarrer Xaver Christen miterleben. Im Jahre 1980 demissionierte die Präsidentin, Hildegard Portmann-Duss. Als ihre Nachfolgerin konnte Ursula Studer-Hermann, Schürli, freudig als Präsidentin begrüsst werden. Die neue Präsidentin entfaltete eine grosse Aktivität, das Jahresprogramm wurde ausgebaut. Inzwischen beträgt der Jahresbeitrag 5 Franken. An der GV 1989 demissionierte Ursula Studer als Präsidentin, als ihre Nachfolgerin durfte die Versammlung Annemarie Portmann-Thalmann, Dorfmattenstr. 17, begrüssen. 1994 realisierte der Vorstand die grosse und schöne Aufgabe, das 75-Jahr-Jubiläum zu organisieren. Am 6. März 1994 wurde der Jubiläumstag mit einem würdigen Festgottesdienst eröffnet. Man stellte das Wandbild, als Symbol für die Frauengemeinschaft, vor. Über 200 Frauen hatten sich zur Geburtstagsfeier angemeldet. Mit viel Würde, grossen Worten, einem feinen Essen und viel Unterhaltung wurde die 75. Generalversammlung abgehalten. Mit vielen Gratulations- und Dankesworten neigte sich dieser grosse Tag dem Ende entgegen.

1995-2005
1995 verliess Pfarrer Xaver Christen unsere Gemeinde. Als neuer geistlicher Begleiter wurde Pfarr-Resignat Julius Alpiger gewählt. An der GV 1997 tritt Annemarie Portmann-Thalmann nach 8 Jahren als Präsidentin zurück. Sie legte stets grossen Wert auf Weiterbildungen und ein reichhaltiges Jahresprogramm. Einer ihrer Glanzpunkte war natürlich das Jubiläum von 1994. Als ihre Nachfolgerin wurde Margreth Bucher-Duss, Guggerli gewählt. 1998 wird der neue Pfarrer von Escholzmatt, Ruedi Vogel, auch der neue geistlicher Begleiter der Frauengemeinschaft. An der GV 2000 wurde auf Initiative der Präsidentin das neue Logo der Frauengemeinschaft vorgestellt. Entworfen wurde es von der einheimischen Grafikerin Käthi Friedli-Studer. Der Baum stellt zwei gegeneinander gerichtete Frauengesichter dar. Die Krone ist luftig, wohlgeformt, offen für gute Gedanken. Margreth Bucher-Duss tritt an der GV 2005 als Präsidentin zurück. Sie verstand es, Neues anzupacken, so hat sie zum Beispiel die Ressorts im Vorstand geschaffen. Als ihre Nachfolgerin wurde Karin Studer-Stadelmann, Auchli, gewählt.

2005-2010
Der Vorstand bewegt sich, die Interessen der Frauen verändern sich. Man bemüht sich, stets ein interessantes Jahresprogramm zu gestalten. An der GV 2009 wurden die Statuten revidiert und neu gestaltet.

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